Wanderausstellung
Dem Vergessen entrissen. Jüdisches Leben im Kraichgau
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Unser Verein „Jüdisches Leben Kraichgau“, der mittlerweile aufgrund seiner Aktivitäten über 100 persönliche Mitglieder zählt und viele Kommunen und andere juristische Personen als Förderer hat, und der „Heimatverein Kraichgau“ haben beschlossen, eine gemeinsame Wanderausstellung über das Judentum im Kraichgau zu erarbeiten. Der Kraichgau wies die größte Dichte an jüdischen Gemeinden in Baden auf. In einzelnen Gemeinden waren sogar bis zu einem Drittel der Gesamtbevölkerung jüdischen Glaubens. Vor allem im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert prägten die Juden das kulturelle und wirtschaftliche Leben im Kraichgau mit. Ziel dieser Ausstellung ist es, die Geschichte der Juden im ganzen Kraichgau erstmals aufzuarbeiten, denn bisher gab es nur Darstellungen von einzelnen Landkreisen(Heilbronn, Karlsruhe) oder von einzelnen Gemeinden. Ein Gesamtüberblick fehlt aber noch bis heute.

Das von Bernd Röcker erarbeitete Konzept der Wanderausstellung sieht vor, die Geschichte der Juden im Kraichgau auf 25 sog. Roll-ups (aufrollbare Tafeln) in fünf sowohl zeitlich wie auch thematisch gegliederten Kapiteln darzustellen:

1. vom Mittelalter bis zur Emanzipation der Juden 1809
2. die Zeit von 1809 bis 1933
3. die Zeit des Nationalsozialismus
4. die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte und des Holocausts nach 1945
5. der Einfluss des Kraichgauer Judentums auf Sprache, Brauchtum und Kultur.

Die beiden federführenden Vereine haben
Fachleute aus dem ganzen Kraichgau gewinnen können, die sich durch Veröffentlichungen und Vorträge zur Geschichte der Juden im Kraichgau bereits einen Namen gemacht haben. U. a. beteiligen sich auch die Archivare des Landkreises Karlsruhe und des Landkreises Heilbronn sowie die Stadtarchivare von Bretten, Wiesloch und Eppingen, aber auch einige Pfarrer und Lehrer an dieser Ausstellung. Die Redaktion übernimmt die „Agentur für Jüdische Kulturvermittlung Altenburg und Graf“ (Mannheim/Heidelberg), unterstützt von Bernd Röcker. Dank großzügiger Spenden vor allem aus dem Bereich der Banken und Sparkassen und eines Zuschusses des Landes ist die Finanzierung der Wanderausstellung gesichert.

Parallel zur Vorbereitung wird ein Zeitplan für die Wanderausstellung erstellt.
Eine größere Anzahl von Institutionen und Kommunen haben bereits ihr Interesse bekundet.

Dieser Zeitplan ist aber auch wichtig für die Schulen, die sich bereit erklärt haben, die Geschichte der örtlichen jüdischen Gemeinde auf ein oder mehreren Tafeln darzustellen, denn diese Tafeln sollen mit der Wanderausstellung an den betreffenden Ausstellungsorten gezeigt werden und diese durch die örtlichen Besonderheiten ergänzen.

Die enge Zusammenarbeit mit den Schulen zeigt sich nicht nur darin, dass diese in Schülerprojekten die Entwicklung der jüdischen Gemeinde in ihren Orten darstellen, parallel zu der Ausarbeitung der Wanderstellung wird auch ein Materialheft für den Schulunterricht erstellt.

Geplant sind ferner für die nächsten Jahre ein umfangreicherer kommentierter Quellenband, der sich an alle diejenigen wendet, die sich eingehender mit dem Thema Judentum im Kraichgau beschäftigen wollen und dabei auch Quellentexte lesen wollen. Abschließend soll ein umfangreicher Band mit Biographien bedeutender aus dem Kraichgau stammenden jüdischer Persönlichkeiten erscheinen.